
﷽
.اِنَّٓا اَنْزَلْنَاهُ ف۪ي لَيْلَةِ الْقَدْرِۚ
.وَمَٓا اَدْرٰيكَ مَا لَيْلَةُ الْقَدْرِۜ
(…)لَيْلَةُ الْقَدْرِ خَيْرٌ مِنْ اَلْفِ شَهْرٍۜ
:وَقَالَ رَسُولُ اللّٰهِ صَلَّي اللّٰهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ
اَللّٰهُمَّ إِنَّكَ عَفُوٌّ تُحِبُّ العَفْوَ فَاعْفُ عَنِّي
Eine Sunna des Ramadan: Itikaf
(13.03.2026)
Wir befinden uns in der letzten Woche des gesegneten Ramadan. Inschaallah werden wir am kommenden Freitag gemeinsam die Freude des Ramadanfestes erleben. Möge Allah alle Ibade (Glaubenspraxen), die wir in diesem gesegneten Monat verrichtet haben und noch verrichten werden, in schönster Weise annehmen und uns in Gesundheit, Wohlbefinden und Frieden das Fest erleben lassen.
Werte Gläubige!
Eine besondere Form der Anbetung im Ramadan ist der Itikaf, dessen Wurzeln bis zum Propheten Ibrahim zurückreichen.1 Im Itikaf zieht man sich für eine gewisse Zeit von seinen alltäglichen, weltlichen Beschäftigungen zurück, um sich ganz auf die Anbetung Allahs zu konzentrieren und widmet dabei sein Herz und seine Zeit vollständig Allah, dem Erhabenen. Das schönste Beispiel für diese besondere spirituelle Erfahrung hat uns der Gesandte Allahs (s) selbst vorgelebt.
Der Gesandte Allahs (s) lebte den Ramadan mit großer Aufrichtigkeit (Ichlas) und maß besonders den letzten zehn Tagen eine außergewöhnliche Bedeutung bei. In dieser Zeit zog er sich in eine Ecke der Moschee zurück und widmete sich der Glaubenspraxis und der inneren Einkehr. Doch diese Rückbesinnung bedeutete für ihn keineswegs, sich vollständig von der Welt abzuwenden. Auch in dieser Phase der intensiven Besinnung blieb er mit den Menschen in Kontakt und pflegte weiterhin seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Sein Ziel war es, ähnlich wie einst in der Höhle namens Hira, in tiefe Einkehr (Tefekkur) einzutauchen und so den Segen der Qadr-Nacht zu erlangen – einer Nacht, die wertvoller ist als ein ganzes Leben.2
Liebe Geschwister!
Leider ist der Itikaf eine Sunna, die heute nahezu in Vergessenheit geraten ist. Auch wenn unsere Lebensumstände es oft nicht erlauben, mehrere Tage in der Moschee zu verbringen, müssen wir dennoch nicht auf den Segen dieser besonderen Läuterung verzichten. Um diese fast vergessene Sunna wiederzubeleben und selbst von ihrer Spiritualität neu belebt zu werden, können wir ein Wochenende, einen freien Tag oder sogar nur einige Stunden dieser besonderen Form der inneren Reinigung widmen. Anstatt unsere Zeit mit Fernsehen und sozialen Medien zu vergäuden, können wir uns bewusst unserer inneren Welt zuwenden.
Jedes Mal, wenn wir für eines der Pflichtgebete in die Moschee kommen, können wir bis zum Verlassen der Moschee innerlich die Absicht zum Itikaf fassen. Wir können den Koran rezitieren, Ritualgebete verrichten und im Gedenken an Allah unsere Seele zur Ruhe kommen lassen – ohne jemanden zu stören. Diese Atmosphäre der spirituellen Reinigung können wir sogar in unsere Häuser tragen und einen Teil unseres Zuhauses gewissermaßen zu einem „Itikaf-Ort“ machen. Wir können darüber nachdenken, woher wir kommen und wohin wir gehen. Wir können unser Leben reflektieren und uns fragen, womit wir unsere Zeit verbringen. Dabei werden wir einerseits Reue für unsere Fehler empfinden und andererseits Zuflucht in der grenzenlosen Barmherzigkeit unseres Herrn suchen.
Verehrte Gläubige!
Am kommenden Montagabend werden wir inschaallah gemeinsam die Qadr-Nacht begehen. Im edlen Koran verkündet Allah, dass diese Nacht besser ist als tausend Monate, dass die Engel und der Geist mit der Erlaubnis ihres Herrn für jede Angelegenheit herabkommen und dass dieser göttliche Segen bis zur Morgendämmerung andauert.3
Ich möchte meine Worte mit einem schönen Bittgebet abschließen, dass unser Prophet für diese gesegneten Nächte empfohlen hat: „O Allah! Du bist wahrlich der Vergebende und liebst es zu vergeben, so vergib mir!“4 O Allah! Du bist wahrlich der Vergebende und liebst es zu vergeben, so vergib uns. (Amin)
Die DITIB-Predigtkommission
1 Koran, Baqara, 2/125.
2 Koran, Qadr, 97/3.
3 Koran, Qadr, 97/1-5.
4 Tirmizi, Sunen, Daʿawat, 84.