
2026-10-05 | Pressemitteilung
Köln, 03.10.2026 Rund 5.000 Besucherinnen und Besucher kamen am 3. Oktober 2026 zum Tag der offenen Moschee in die DITIB-Zentralmoschee Köln. Unter dem diesjährigen Motto „Moscheen als Träger der gesellschaftlichen Verfasstheit“ stand der Tag ganz im Zeichen von Begegnung, gesellschaftlicher Verantwortung und Dialog.
Der diesjährige Tag der offenen Moschee verband gleich mehrere besondere Anlässe: 77 Jahre Grundgesetz, 36 Jahre Deutsche Einheit, den inzwischen 30. bundesweiten Tag der offenen Moschee sowie in Köln 20 Jahre Kölner Friedensverpflichtung. Die zentrale Auftaktveranstaltung begann mit einer Koranrezitation. Anschließend sprachen DITIB-Bundesvorsitzender Ramazan Ilıkkan und der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester zu den Gästen. Ein thematischer Impuls des Direktors des MoscheeForums, Murat Şahinarslan, sowie ein musikalischer Beitrag des DITIB Sufi Ensembles rundeten den Auftakt ab.
DITIB-Bundesvorsitzender Ilıkkan: „Muslimisches Leben trägt Verantwortung für die Zukunft unseres Landes“
DITIB-Bundesvorsitzender Ramazan Ilıkkan stellte in seinem Grußwort die Frage in den Mittelpunkt, was eine Gesellschaft in Zeiten zunehmender Unsicherheit zusammenhält. Dabei verwies er auf die Menschenwürde, die freiheitlich-demokratische Ordnung und die gemeinsame Verantwortung aller gesellschaftlichen Kräfte.
„Muslimisches Leben ist Teil der Gegenwart unseres Landes und trägt Verantwortung für seine Zukunft“, betonte Ilıkkan. Musliminnen und Muslime lebten ihren Glauben innerhalb der gemeinsamen Rechtsordnung und verstünden sich als Teil der Zivilgesellschaft. Zugleich formulierte er das Verhältnis von religiöser Orientierung und staatlicher Ordnung klar: „Unser Glaube gibt uns Orientierung. Das Grundgesetz gibt unserem gemeinsamen Leben den verbindlichen rechtlichen Rahmen
Mit Blick auf das diesjährige TOM-Motto unterstrich Ilıkkan die gesellschaftliche Funktion der bundesweit 896 DITIB-Ortsgemeinden. Neben Gebet und religiöser Orientierung engagierten sich die Gemeinden unter anderem in der Bildungs-, Jugend-, Familien- und Seniorenarbeit, in sozialen Hilfen, Beratung, Kultur, Sport und Integration.
„Diese Arbeit geschieht mitten in der Gesellschaft. Und sie soll sichtbar sein“, sagte Ilıkkan. Transparenz gehöre daher zu verantwortungsvoller Gemeindearbeit. Gemeinden müssten ansprechbar sein, Fragen zulassen und nachvollziehbar machen, wie sie arbeiten und wer Verantwortung trägt.
Dabei griff der Bundesvorsitzende auch die Architektur der Zentralmoschee auf. Die großen Glasflächen des Gebetssaals gäben den Blick nach innen und nach außen frei und seien damit ein Sinnbild für den Anspruch muslimischer Gemeinden: „Unsere Moscheen sollen offen, transparent, ansprechbar und im Dialog mit ihrer Umgebung sein.“
30 Jahre Tag der offenen Moschee: Nicht übereinander, sondern miteinander sprechen
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede war das 30-jährige Bestehen des Tages der offenen Moschee. Seit 1997 laden Moscheegemeinden am 3. Oktober bundesweit unter einem gemeinsamen Jahresthema zum persönlichen Austausch ein.
„Drei Jahrzehnte Tag der offenen Moschee bedeuten drei Jahrzehnte Einladung, drei Jahrzehnte Gespräch, drei Jahrzehnte Fragen und Antworten und vor allem: drei Jahrzehnte Begegnung“, so Ilıkkan.
Der Bundesvorsitzende verwies darauf, dass über den Islam und über Moscheen häufig öffentlich gesprochen werde. Der Tag der offenen Moschee biete die Möglichkeit, die Perspektive zu verändern: „Der Tag der offenen Moschee lädt dazu ein, nicht nur über Moscheen und Muslime zu sprechen, sondern mit den Menschen in den Gemeinden.“
Dabei nahm Ilıkkan auch Bezug auf die islamische Tradition. Mit dem Koranvers „… damit ihr einander kennenlernt“ (49:13), dem koranischen Bezug auf die Würde der Kinder Adams sowie der prophetischen Überlieferung zur Verantwortung stellte er drei Begriffe heraus, die für das Selbstverständnis der Gemeinden zentral seien: Kennenlernen, Würde und Verantwortung. Diese Verantwortung reiche ausdrücklich über die eigene Gemeinschaft hinaus bis in die Nachbarschaft und das Gemeinwesen.
Kölner Friedensverpflichtung: „Toleranz allein reicht nicht“
Auch das 20-jährige Bestehen der Kölner Friedensverpflichtung spielte in der Rede eine zentrale Rolle. DITIB gehörte 2006 zu den Erstunterzeichnern. Ilıkkan bezeichnete die Verpflichtung als einen bleibenden Auftrag, Menschen zusammenzuführen, Vorurteile abzubauen und Verschiedenheit mit Achtung zu begegnen.
„Toleranz allein reicht nicht. Eine friedliche Gesellschaft braucht Respekt und Achtung“, erklärte der DITIB-Bundesvorsitzende. Wenn Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer Zugehörigkeit angefeindet würden, sei die Solidarität der gesamten Gesellschaft gefragt.
Zum Abschluss fasste Ilıkkan die Botschaft des Tages zusammen:
„Freiheit braucht Verantwortung. Vielfalt braucht Respekt. Vertrauen braucht Transparenz. Frieden braucht Dialog. Und gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht Begegnung.“
Als Muslime seien die Gemeinden „Nachbarn, Mitbürger und Verbündete“. Die Zukunft Deutschlands sei eine gemeinsame Zukunft.
Oberbürgermeister Torsten Burmester: „Moscheegemeinden übernehmen jeden Tag Verantwortung für die Stadtgesellschaft“
Oberbürgermeister Torsten Burmester betonte in seinem Grußwort, dass die DITIB seit langen Jahren ein wichtiges Mitglied im Rat der Religionen ist und sich hier einbringt. Burmester erinnerte zudem an den vor kurzem verstorbenen ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und lobte ihn für seinen Einsatz im Prozess des Moscheebaus in Köln.
Burmester merkte zudem an: „Moscheegemeinden sind in Köln längst mehr als Orte des Gebets. Hier wird beraten, gelernt, geholfen, gefeiert, Kinder und Jugendliche nehmen einen Platz, Ehrenamtliche packen an, Gemeinden übernehmen jeden Tag Verantwortung für die Stadtgesellschaft und stehen als Träger einer gesellschaftlichen Verfasstheit.“
MoscheeForum: Zentralmoschee mit der Stadtgesellschaft verbinden
MoscheeForum-Direktor Murat Şahinarslan übertrug das bundesweite Motto anschließend auf die konkrete Arbeit der Zentralmoschee Köln. Das MoscheeForum verstehe sich als Schnittstelle zwischen Moscheegemeinde, Stadtgesellschaft und kommunalen Akteuren.
Allein im Jahr 2025 seien 830 angemeldete Gruppen mit insgesamt 25.790 Menschen in der Zentralmoschee empfangen worden. „Für mich sind das nicht nur Besucherzahlen. Es sind Resonanzzahlen“, sagte Şahinarslan. Die Aufgabe des MoscheeForums bestehe darin, aus der Sichtbarkeit der Zentralmoschee Begegnung und aus Begegnung tragfähige Beziehungen entstehen zu lassen.
Mit Bildungsangeboten, Workshops, Kooperationen, sozialen Aktionen und der Beteiligung an Stadtteilstrukturen werde gesellschaftliche Verantwortung vor Ort konkret. „Eine Moschee trägt Gesellschaft dort, wo sie gebraucht wird“, so Şahinarslan.
Vielfältiges Programm und große Resonanz
Über den gesamten Tag hinweg nahmen zahlreiche Gäste an Moscheeführungen teil und nutzten die Möglichkeit, das Mittags- und Nachmittagsgebet still mitzuerleben. Die Ausstellung „Moscheen tragen Gesellschaft“ gab Einblicke in die vielfältige religiöse, soziale, bildungsbezogene und gesellschaftliche Arbeit der DITIB-Gemeinden.
Großes Interesse fanden auch die interaktive „DAFÜR!“-Wand, das Gesprächsformat „Frag den Imam“, die Fachbibliothek für Islamische Studien sowie das Stadtgespräch unter dem Titel „Was trägt unsere Gesellschaft? Moscheen, Religion und demokratische Verantwortung“. Kulinarische Angebote und zahlreiche persönliche Gespräche boten über den gesamten Tag hinweg Gelegenheit zum Kennenlernen und Austausch.
Mit rund 5.000 Gästen knüpfte die Zentralmoschee Köln an die hohe Besucherresonanz der vergangenen Jahre an. Der Tag machte zugleich den Grundgedanken des bundesweiten TOM sichtbar: Moscheen sind ganzjährig Orte des Glaubens und der Gemeinschaft; der 3. Oktober setzt darüber hinaus ein gemeinsames Zeichen der muslimischen Gemeinden für Begegnung, Transparenz, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.















