Freitagspredigt

Das Ritualgebet - der Grundpfeiler der Religion

 

 

بِسْمِ اللهِ الْرَّحْمَنِ الْرَّحِيمِ
اُتْلُ مَآ اُوحِيَ اِلَيْكَ مِنَ الْكِتَابِ وَاَقِمِ الصَّلٰوةَ اِنَّ الصَّلٰوةَ تَنْهٰى عَنِ الْفَحْشَآءِ وَالْمُنْكَرِ وَ لَذِكْرُ اللهِ اَكْبَرُ وَاللهُ يَعْلَمُ مَا تَصْنَعُونَ 

 

Bismillahirrahmanirrahim

[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]

(O Muhammad!) Trag vor, was dir vom Buch offenbart wurde, und verrichte das Ritualgebet. Wahrlich, das Ritualgebet hält dich ab vom Schändlichen und vom Übel. Und sicher ist das Gedenken Allahs (das Ritualgebet) der größte Gottesdienst. Und Allah weiß gewiss, was ihr tut.“

 

[Sure „Ankebut“, Vers 45]

 

Verehrte Muslime,

das Ritualgebet (türk. namaz, arab. salah) gehört zu einem der Säulen des Islam. Es kommt in seiner Bedeutung und Wichtigkeit gleich nach dem Glauben (iman) selbst. Allah, der Erhabene, wenn Er im Koran über den Glauben spricht, spricht Er an vielen Stellen auch gleich vom Ritualgebet. Gläubige werden im Koran stets als diejenigen beschrieben, “die glauben und rechtschaffen handeln (gute Taten verrichten)”. Und zu den guten Taten (türk. salih amel, arab. a’mal saliha) gehört an vorderster Stelle das Ritualgebet. Es ist der wichtigste Gottesdienst des Menschen, der als solcher seinem Leben auch eine Ausrichtung gibt. Es ist zugleich die beste Ausdrucksmöglichkeit unserer Dienerschaft sowie unseres Dankes für Seine Gaben. So fordert uns unser Schöpfer, der alle Gaben auf Erden in unseren Dienst gestellt hat, wiefolgt zum Ritualgebet auf: “Das Ritualgebet ist den Gläubigen zu bestimmten Zeiten vorgeschrieben.” [1] Mit diesem Vers ist den Gläubigen das Ritualgebet als Plicht auferlegt, sie damit in der Pflicht, dieses zu verrichten.

 

Verehrte Gemeinde,

 

wie bei allen Gottesdiensten, so steckt auch im Ritualgebet ein tieferer Sinn, der sich uns nur zum Teil erschließen kann. Das Ritualgebet, wenn es in völliger Hingabe und Ergebung in Gott verrichtet wird, bewahrt den Menschen vor allen möglichen Übeln. So heißt es hierzu im Koran: (O Muhammad!) Trag vor, was dir vom Buch offenbart wurde, und verrichte das Ritualgebet. Wahrlich, das Ritualgebet hält dich ab vom Schändlichen und vom Übel. Und sicher ist das Gedenken Allahs (das Ritualgebet) der größte Gottesdienst. Und Allah weiß gewiss, was ihr tut.“ [2] 

 

Daher bezeichnete unser Prophet (s.a.w.) das Ritualgebet auch als “Grundpfeiler der Religion”. [3] Wer das Ritualgebet verlässt, vergeudet demnach auch seine Religion und bereitet sich damit einen weniger wirtlichen Ausgang.

 

Verehrte Muslime,

 

das Ritualgebet ist gleichzeitig die Himmelfahrt, der Miradsch, des Gläubigen. In der Weite seines Inhalts eröffnet es dem Menschen Wege, tiefere Dimensionen zu denken. So kann das Ritualgebet in unterschiedlichen Gefühls- und Wahrnehmungszuständen vollzogen werden: der Gläubige, wenn er sich voller Hingabe und Inbrunst zum Gebet aufstellt, weiß, dass er in diesem Moment vor seinem Schöpfer dann steht. Er kann sich dem Gebet aber auch so hingeben, dass er sich direkt hinter dem Propheten (s.a.w.) stehend dieses verrichten wähnen kann. Für den Gläubigen ist jedes Ritualgebet eine erneute Himmelfahrt. Er muss nur darauf achten, diese seine persönliche Himmelfahrt so gut wie möglich zu gestalten, auch wenn er jedes Ritualgebet wieder in einer anderen Gefühlslage verrichtet.

 

Verehrte Gläubige,

 

wer das Ritualgebet verrichtet, der reinigt sich damit fünf mal am Tag von seinen Sünden. Fünf mal am Tag legt er dabei Rechenschaft vor seinem Schöpfer ab. Wenn der Mensch  dies bloß begreifen und sich vergegenwärtigen würde! Kann ein Mensch, der seinen Glauben an Allah beteuert, Seinen Geboten folgt und sich fünf mal am Tag zum Ritualgebet aufstellt und Ihm dabei jedesmal verspricht, Ihm ein guter Diener zu sein, kann dieser Mensch einem anderen Menschen Schaden zufügen? Kann dieser hinter dem Rücken seiner Freunde, seiner Nachbarn oder Verwandten reden? Könnte er anderen Menschen schaden? Sich zu Unrecht etwas aneignen, oder seinen Lebenserwerb auf illegalem Weg erstreiten? Kann ein solcher Mensch ein Auge werfen auf das Hab und Gut Anderer? Oder sich im Glücksspiel und Zinsgeschäft verdingen? Kann er Aufruhr und Zwitracht Vorschub leisten? Sicherlich nicht! Denn das Ritualgebet hält den Menschen von all den vorgenannten Dingen ab und lässt ihn vielmehr sich und sein Leben zum Guten hin ausrichten. Und wenn er all dies oder auch nur einen Teil des Aufgezählten tut, obwohl er das Gebet verrichtet, dann läuft Einiges nicht richtig!

 

Verehrte Muslime,

 

ein Ritualgebet, das von Gott angenommen werden will, zeichnet sich durch die Verrichtung seiner in ehrfürchtiger Hingabe (türk. huşu) aus. Gläubige, die dies befolgen, gehören laut Koran zu denjenigen, “denen Wohl bevorsteht und die die Paradiesgärten beerben werden.” [4]

 

[1] Nisa, 4/103.

[2] Ankebut, 45.

[3] Tirmizi, Iman, 8.

[4] Mu’minun, 1-2 u. 9-10.

 

Ismail ÜNAL

Rleigionsbeauftragter der DITIB-Zentralmoschee in Erlangen

2011-11-11    


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