Freitagspredigt

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Jahrestag des Angriffs in Hanau: Wir müssen unseren Willen zum Zusammenleben bewahren
(19.02.2021)

 

Meine Geschwister! Verehrte Gläubige!

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Der Mensch ist auf andere angewiesen; zur Fortführung seines Lebens; zum Teilen seiner Freude und Kummer; sowie zur gemeinsamen Überwindung jeglicher Schwierigkeiten des Lebens. Dieser Bedarf bringt die Tatsache mit sich, mit anderen Menschen zusammen zu leben.

Die Kultur des Zusammenlebens ist die Fähigkeit, dass unterschiedliche Teile der Gesellschaft auf Basis des Verständnisses von Toleranz zusammenleben - ohne in eine Segregation zu verfallen oder in Konflikte zu geraten. Die fundamentale Bedingung zur Etablierung dieser Kultur ist, das Gesetz unserer Unterschiedlichkeit in der Schöpfung als ein Reichtum anzusehen. Individuen, die dieses mit Erfolg umsetzen, bilden Gesellschaften. Diese Gesellschaften sind mit sich selbst im Reinen und verfügen über eine feste Selbstsicherheit; Menschen mit der Geisteshaltung, die keine Unterschiede aushalten können, zerren andererseits unsere schöne Welt leider ins Chaos und machen unsere schöne Welt zu einer Brutstätte der Wirre.

Meine Geschwister!

Jeder Mensch ist einzigartig und aus Sicht der Schöpfung originell. Das, was den Menschen einzigartig und originell macht, ist nicht seine Erschaffung lediglich mit unterschiedlichen körperlich-physischen Eigenschaften; sondern, dass er gleichzeitig unterschiedliche Eigenschaften besitzt, wonach der Mensch unterschiedliche Empfindungen, Gedanken und Weltanschauungen hat.

Lassen sie uns für ein Paar Minuten eine Welt vorstellen, damit wir dieses besser verstehen: Stellen sie sich vor, es gäbe keine Unterschiedlichkeiten und alle Dinge wären genau identisch miteinander. Stellen wir uns vor, dass wir uns körperlich-physisch ähnelten, sogar bis dahin, dass unsere Stimmenklänge identisch seien. Stellen wir uns vor, dass es nur eine Farbe in der Natur gäbe; dass es nur eine Art von Blumen in unseren Gärten gäbe. Stellen wir uns vor, dass es nur eine Nahrungsquelle gäbe und wir ständig dieselbe Nahrung verzehrten. Stellen wir uns vor, dass alle Geschmäcker und Gerüche identisch miteinander seien. Wie geschmacklos, ungesalzen, farblos und langweilig wäre doch solch ein Leben, oder?

Meine Geschwister!

Leider begegnen wir auch mit rassistischen und ausgrenzenden Einstellungen. Diese sehen solche uns vom erhabenen Allah als Gabe gewährten Unterschiede als Gefahr an. Leider begegnen wir auch mit schlimmen Folgen dieser Einstellung, die auf das Wohl der Menschheit absehen. Genau ein Jahr vor diesem Tag erlebte unsere Welt so den Schock des rassistischen Terroranschlags in Hanau. Unmengen an Tränen flossen. Die ganze Menschheit wurde nochmals Zeuge für die schmerzlichen Folgen des Übels Rassismus. Wir sind der Überzeugung, dass wir Rassismus so bekämpfen sollten, wie wir auch die Pandemie bekämpfen, damit wir kein weiteres Leid ertragen.

Aus diesem Anlass wünsche ich unseren Geschwistern, die bei den Terrorangriffen ihr Leben verloren haben, nochmals die Barmherzigkeit Allahs und ihren Familien und Nächsten wünsche ich Geduld und Standfestigkeit.

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, ar-Rum, 30/22.

 

2021-02-19    


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