Freitagspredigt

PDF-Dosyası Freitagspredigt (PDF)

 

Unser Lebenskampf
(08.01.2021)

 

Verehrte Gläubige!

Einst spazierte ein Derwisch mit seinen Freunden in den Straßen einer Stadt. Dieser sah ein Haus aus Lehm, das einsturzgefährdet war. Das Haus neigte sich bereits auf eine Seite. Daraufhin blieb er stehen und sagte seinen Freunden: „Ihr seht das Haus. Dieses Haus wird in diese Richtung, in die es geneigt ist, einstürzen. So ist es auch mit dem Menschen. In welche Richtung die Neigung des Menschen ist, wird er auch einstürzen.

Meine Geschwister!

Unser Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser Lebensweg ist voll mit sehr vielen Sorgen und Strapazen. In der Sura al-Balad wird auf diese Realität hingewiesen: “Wir haben den Menschen ja (zu einem Leben) in Mühsal erschaffen.”1 Natürlich darf nicht vergessen werden, dass diese Mühsal nicht für seine Anstrengungen für den Verdienst seines Lebensunterhaltes und Brotes gemeint ist. Vielmehr sind die Sorgen und Strapazen für seine Anstrengungen für Rechtschaffenheit und Beständigkeit gemeint.

Auch unser geliebter Prophet (s) warnte seinen engen Freund Abu Dharr gegenüber den Schwierigkeiten des Lebens wie folgt: “O Abu Dharr, baue deinen Schiff, mit dem Du reisen wirst, robust und beständig. Schließlich sind die Meere wahrhaft tief und voll mit Gefahren.”2

Ja, meine Geschwister! Unsere Reise ist wahrlich schwer und voll mit Gefahren. Unsere wichtigsten Feinde, um unsere Lebensreise für ein Leben in Rechtschaffenheit und Beständigkeit fortzuführen, sind: Unsere nicht endenden Begierden; Unsere Regeln übertretenden Vorlieben; Unser gleichgültiger und egoistischer Charakter gegenüber Sorgen und Nöten von anderen. Und natürlich wartet auch der Teufel – als unser offenkundiger Feind - in seinem Hinterhalt. Der Teufel nutzt unsere lügnerischen, egoistischen und begierigen Veranlagungen aus.

Verehrte Gläubige!

Der erhabene Koran bringt folgendes zum Ausdruck: Der Mensch wurde mit der natürlichen Veranlagung sowohl für Gutes als auch für Böses erschaffen.3 Schauen sie, meine Geschwister! Eigentlich sind das Schicksal des Menschen und das Schicksal eines Baumes, der mit seinen Ästen und Zweigen sowie seiner ganzen Erhabenheit im Wald in den Himmel hinaufragt, identisch. Entweder wird der Baum gefällt, gehobelt und verarbeitet. So wird der Baum zu einem schönen und nützlichen Zweck dienen. Oder der Baum wird zu Brennholz gemacht und vernichtet werden. Dem Menschen obliegt folgendes: Auf der einen Seite seine natürliche Veranlagung für Böses zu erziehen. Auf der anderen Seite jedoch auch Schönheiten seiner Veranlagung aufzudecken. Daher soll der Mensch versuchen, Vorreiter für Recht, Wahrheit, Gutes und Schönes zu sein.

Meine Geschwister!

Das ist die wichtigste Aufgabe des Menschen. Das heißt, dass sich der Mensch selbst erkennt und seinen eigenen Schwächen und Stärken bewusst wird. Schließlich ist die Prüfung jeder Person unterschiedlich. Die Vorliebe mancher Personen ist das Hab und Gut. Solche Personen sollten folgendes wissen: Ihre größte Prüfung wird in diesem Bereich sein. Der Teufel wird sie an dieser Schwachstelle von ihnen ergreifen. Der Teufel wird versuchen, ihnen Bestechung, Korruption, Glücksspiele und den Verdienst über unerlaubte Wege schön darzustellen und sie somit zum Ruin zu führen. Manche Personen sind verzückt von Ämtern und Ruhm. Sie werden vermehrt über diese Neigungen geprüft. Wenn sie diese Neigungen von sich nicht züchtigen können, werden sie aus dieser Sicht zum Ruin geführt. Für manche Personen sind hingegen sinnliche Begierden ihre größte Schwachstelle. Wer sich Glück und Wohlergehen durch Überschreitung von den Grenzen des Erlaubten sucht, wird mit diesen Schwächen geprüft. Selbstverständlich werden diese Schwächen folglich der Anlass für ihren großen Ruin sein. Eigentlich weist das folgende Zitat auf diese Realität hin: “Wer sich selbst erkennt, erkennt seinen Schöpfer.” Der Marsch des Menschen auf dem Weg des Gottesdienstes ist nur dann möglich, wenn er seinen eigenen Möglichkeiten, Stärken und Schwächen bewusst ist.

Wir dürfen folgendes nicht vergessen: Wer sich in diesem Sinne selbst entfremdet, seine Werte und seine Selbstachtung nicht bewahren kann; Wer sich fern von erhabenen Zielen und Zwecken seinen eigenen Begierden und Gelüsten verfällt, wird weder bei den Menschen noch bei Allah einen Wert haben. Lassen sie uns unsere Lebensanstrengung nicht auf dem leichten Weg von Sünden und Auflehnung (gegenüber Allah) aufbringen; Lassen sie uns vielmehr weiterhin unsere Anstrengungen auf dem schwierigen und steilen Weg4 vom Guten und von Rechtschaffenheit aufbringen.

 

Die DITIB-Predigtkommission
 

1 Koran, al-Balad, 90/4.
2 Al-Asqalani, al-Munabbihat, 4.
3 Koran, asch-Schams, 91/7-9.
4 Koran, al-Balad, 90/11-18.

2021-01-08    


Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der DITIB reproduziert, vervielfältigt oder verarbeitet werden.

Archiv 2007-2008  | 2009-2010