Festtagspredigt (Ramadan)

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Ramadanfest
(04.06.2019)

 

Lob und Dank sei Allah, Der uns den Morgen des Festtages ‎vom Ramadanfest, an dem wir die Freude des Paradieses auf ‎dieser Welt empfinden, erleben lassen hat! Frieden und ‎Segen sei auf alle unserer Propheten, die sich für das Wohl ‎der Menschheit und für den Weltfrieden einsetzten! Gegrüßt ‎seien alle Gläubigen, die auf Allah vertrauen, den Fußstapfen ‎der Propheten folgen und sich für ihren Glauben einsetzen ‎um ihren Glauben zu beweisen.‎

Verehrte Senioren, auf deren Existenz wir stolz sind, ‎werte Jugendliche, denen wir unsere Zukunft anvertrauen ‎werden, liebe Kinder, die unser Augenlicht und die Freude unserer ‎Häuser sind, und meine verehrten Geschwister in der Religion, die Mit-‎Angehörige meines Glaubens sind... ‎Seien sie an diesem gesegneten Festtagsmorgen im Haus ‎Allahs herzlich willkommen. Sei unser Fest gesegnet!‎

Meine Geschwister!‎

Der Monat Ramadan war eine hervorragende Schule für ‎diejenigen, die eine Lehre daraus ziehen wollten. Der ‎Ramadan war ein lebensverleihender Regen für unsere ‎verdursteten Gewissen. Er war eine wärmende Sonne für ‎unsere frierenden Herzen. Der Ramadan war ein starker ‎Wind, der uns den Geruch des Paradieses von der Ferne ‎herbeitrug. Diejenigen, die diesen Monat als eine nicht zu ‎verpassende Gelegenheit ansehen, haben Samenkörner der ‎Liebe, Toleranz und Geschwisterlichkeit in ihre Herzen gesät. ‎Somit erlebten sie das Wohl, einen Beitrag dazu zu leisten, ‎das Gute auf der Welt herrschend zu machen und damit sich ‎die Güte auf der Welt vermehrt. Diese Personen wurden zu mit ihren Handlungen zu Bittgebeten und erhielten ‎Bittgebete von anderen. Möge der erhabene Allah die ‎Bittgebete annehmen!‎

Meine Geschwister! Geehrte Gläubige!‎

Es gibt eine wichtige Feststellung, die den Zweck des ‎Gottesdienstes im Islam beschreibt. Diese besagt: “Das ‎Gebet beginnt nachdem man aus der Moschee heraustritt; ‎die Pilgerfahrt beginnt nachdem man aus Mekka ‎zurückkehrt; das Fasten beginnt nachdem der Ramadan zu ‎Ende gegangen ist.” In Wahrheit ist die Situation auch ‎wirklich so. Das Gebet sollte uns bändigen nachdem wir aus ‎der Moschee herausgegangen sind. Das Gebet sollte uns zu ‎verantwortungsbewussten, sensiblen und gewissenhaften ‎Personen machen. Das Fasten sollte uns auch nach dem ‎Ramadan bändigen. Es reicht nicht, dass wir den Koran ‎berühren, vielmehr sollte der Koran auch uns berühren. Er ‎sollte alle Bereiche des Lebens berühren. So wie uns der ‎Ramadan stets willkommen ist, sollte der Ramadan uns auch ‎wohlauf auffinden, uns ermuntern und sich zufrieden von ‎uns verabschieden. O Allah! Wir sind zufrieden mit dem ‎Ramadan. Gewähre uns, dass der Ramadan auch zufrieden ‎mit uns ist!‎

Meine Geschwister!‎

Der Monat Ramadan war eine Schule der Geduld, an dessen ‎Ende Wohlergehen ist. Mit den vereinenden und ‎integrierenden Kreisen an den aufgestellten Speisetafeln des ‎Fastenbrechens (Iftar) haben wir nicht nur unsere Mägen ‎aufgefüllt. Gleichzeitig haben wir unser Fasten um “eine” ‎Speisetafel herum gebrochen. Während wir mit dem ‎Gebetsruf der Einladung des “Einen” folgten und mit den ‎Speisen, die an “einem” Herd gekocht wurden, unser Fasten ‎brachen, übten wir Disziplin für Einheit und Eintracht. Eigene ‎Koranrezitationen und zugehörte Gegenlesungen ‎‎(Muqabala) ließen uns den Genuss, mit dem Koran in ‎Kommunikation zu treten, erleben. Gleichzeitig haben wir ‎auch erkannt, dass der Koran eine Brillanz, die auch unsere ‎gegenwärtigen Tage erleuchtet, besitzt und der so aktuell ist, ‎dass er auch heute noch unserer Zeit Leben verleiht.‎

Mit den Gebeten in derselben Gebetsreihe, nebeneinander ‎und Schulter an Schulter haben wir eingeübt, dass wir ‎ebenbürtig sind wie die Zinken eines Kammes. Wir haben ‎uns nochmals vergegenwärtigt, dass wir eine Gemeinschaft ‎‎(Umma) sind, die das gleiche Ziel verfolgen – egal welcher ‎Ethnie, Farbe, Sprache, Rechtschule oder mystischer ‎Tradition wir angehören. Wir haben uns mit der Freude ‎ausgestattet, als Dank für das Erleben des Ramadans unsere ‎Sadaqatu’l-Fitr zu entrichten; sowie die vom Herzen ‎kommenden Infaq-Spenden zu zahlen und unsere Zakat an ‎ihre wahren Anspruchsberechtigten zu übergeben, damit ‎das Vermögen in den Wirtschaftskreislauf fließt und ‎gesegnet werden möge. Entsprechend des Bittgebetes, das ‎wir abermals sowie Tag und Nacht zum Ausdruck bringen: ‎‎“Nur Dich beten wir an und nur Dich bitten wir um Hilfe”2, ‎haben wir das Bewusstsein erlebt, in den Gipfeln des ‎Gottesdienstes zu wandeln. Der erhabene Allah möge uns ‎gewähren, dass wir die schönen Werte, die wir im Ramadan ‎erworben haben, auch auf alle übrigen Zeiten ausdehnen ‎mögen.‎

Meine Geschwister!‎

Wenn wir nachdenken und reflektieren, wird uns auffallen, ‎dass manche Bekannte aus den früheren Jahren, mit denen ‎wir uns gegenseitig zum Fest gratuliert hatten, sich an ‎diesem Festtag nicht mehr unter uns befinden. Unser ‎Schöpfer, Allah, der Erhabene, weiß es, ob wir eventuell ‎dieses Festtagsgebet zum letzten Mal verrichten. Unzählige ‎Menschen, denen wir keine Wertschätzung schenken, ‎werden leider erst dann wertgeschätzt nachdem sie von ‎dieser Welt fortgehen. Kommen sie und lassen sie uns nicht ‎so lange warten bis wir für das Totengebet auf die Bare ‎gelegt werden um uns miteinander zu versöhnen und ‎unseren Groll zu beenden. Das Leben ist der Inbegriff für ‎eine schwierige Reise von Hallos und Tschüss, ‎Begrüßungen und Verabschiedungen, Talfahrten und ‎Gipfelfahrten, die Hand in Hand und Arm in Arm gehen. ‎Wenn wir auf dieser Reise einsam und allein fortschreiten, ‎werden wir ohne Zweifel ruiniert sein. ‎

Lassen sie uns als Kinder der Fremde und als Kinder der ‎Auswanderung dieses Fest wie ein wahrhaftes Fest begehen. ‎Lassen sie uns einen Schwamm über die Vergangenheit ‎wischen und eine neue und unbeschriebene Seite in ‎unserem Leben eröffnen. Lassen sie uns schöne ‎Erinnerungen mit denjenigen Menschen ansammeln, mit ‎denen wir dasselbe Ehekissen, dasselbe Haus, dieselbe ‎Straße, denselben Stadtteil und dieselbe Welt teilen. Lassen ‎sie uns denjenigen Menschen, die uns die Tore ihrer Herzen ‎verschlossen haben, die Tore unserer Herzen öffnen. Lassen ‎sie uns anstatt der eingestürzten Brücken neue Brücken vom ‎Herzen zum Herzen aufbauen. Lassen sie uns nicht Geizige ‎eine Lächelns sein. Lassen sie uns derjenige sein, der den ‎ersten überraschenden Schritt tätigt anstatt den ersten ‎Schritt von der Gegenseite zu erwarten ohne zu vergessen, ‎dass der Vergebende Vergebung ernten wird. Lassen sie uns ‎auch unsere Märtyrer, die unsere unsterblichen Helden sind, ‎und unsere Vorfahren, deren Erinnerung wir in unseren ‎Herzen wach halten, nicht vergessen. Lassen sie uns alle ‎gemeinsam dafür beten, dass der erhabene Allah uns die ‎wahre Atmosphäre des Vorgeschmacks aus dem Paradies, ‎den wir hier und heute aus Anlass des Festes erleben dürfen, ‎zuteilwerden lassen möge.‎


‎Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, al-Fatiha, 1/4                                                                                   

2019-06-04    


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