Freitagspredigt

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Umweltbewusstsein
(12.10.2018)

 

Verehrte Gläubige!‎

In einem edlen Vers sagt Allah, der Erhabene ‎folgendes: “Er hat euch aus der Erde ‎hervorgebracht und sie euch zu besiedeln ‎gegeben.”1

Im rezitierten edlen Vers werden diejenigen, die ‎ihre Verantwortungen als Geschöpf nicht ‎einhalten, wie folgt beschrieben: “Und wenn er ‎den Rücken kehrt, trachtet er danach, im Lande ‎Unheil zu stiften und Acker und Saat zu verwüsten; Allah aber ‎liebt nicht das Verderben.”2

In einem Hadis sagte unser Prophet (s): “Mir ‎wurden [im Himmel] alle guten und bösen Taten ‎meiner Gemeinschaft (Umma) aufgezeigt. Unter ‎ihren guten Taten war Gerümpel zur Seite zu ‎legen damit es den Menschen und den Tieren ‎nicht schadet. Unter ihren bösen Taten war die ‎Spucke, die nicht mit Erde überdeckt/verdeckt ‎wurde.”3

Meine Geschwister!‎

Unser Leben, unser Besitz und unsere Kinder ‎sind Geschenke und uns anvertraute Güter ‎Allahs. Die Welt, in der wir leben, ist uns ebenso wie ‎unser Leben und wie unsere Kinder anvertraut ‎worden. Das Leben jeder einzelnen Person ist ‎von unzähligen lebendigen und leblosen ‎Geschöpfen umgeben.‎

Wir sollten unsere Umwelt nicht als einen ‎kleinen Bereich eingrenzen. Angefangen mit ‎dem Haus, in dem wir leben, unserer Straße, ‎unserem Viertel, unserem Dorf und unserer Stadt ‎ist unsere ganze Welt unsere Umwelt. Die Luft, ‎die wir atmen, das Wasser, das wir trinken und ‎die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, sind ‎unsere Umwelt. Je sauberer und gepflegter diese ‎sind, umso gesünder und glücklicher können wir ‎leben.‎

Chemische und biologische Abfälle, ätherische ‎Gase, Feinstaubabgase, Müllberge und viele ‎andere giftige Substanzen führen so eigentlich ‎zum “Selbstmord” der Menschheit. Das bedeutet, ‎dass wir unser eigenes Ende herbeiführen, indem ‎wir unsere Gesundheit und unser Wohl aufs ‎Spiel setzten.‎

Unsere Umwelt ist ein Gemeinschaftsgut der ‎gesamten Menschheit, dass uns von Allah, dem ‎Erhabenen, anvertraut wurde. Genau wie alle ‎Menschen gleichberechtigt sind, wenn es um die ‎Nutzung der Welt und ihrer Schätze geht, sind sie ‎ebenso anteilig für den Schutz dieser Welt ‎verantwortlich. Diese Verantwortung kann nicht ‎lediglich an die Staaten oder die verantwortlichen ‎Institutionen abgeschoben werden, sondern muss ‎vielmehr im Rahmen unserer eigenen ‎Möglichkeiten von uns allen getragen werden.‎

Werte Gläubige!‎

Wenn wir heute mit einem Loch in der ‎Ozonschicht konfrontiert sind, wenn die ‎Jahreszeiten auf den Kopf gestellt sind und wenn ‎wir dem großen Unglück der globalen ‎Erderwärmung ausgeliefert sind, so ist das darauf ‎zurückzuführen, dass wir die Umwelt verraten haben ‎und das Gleichgewicht durcheinandergebracht ‎haben. Es ist darauf zurückzuführen, dass wir ‎der göttlichen Warnung nicht Folge geleistet ‎haben:  “Und er hat den Himmel erhöht und die ‎Maße aufgestellt, auf dass ihr das Maß nicht ‎überschreitet.”4 Wenn das Gleichgewicht einer ‎Sache gestört ist, ist diese Sache nicht mehr wie ‎gewohnt nutzbar. So wie ein Virus modernste ‎Instrumente angreift, ein Keim völlig gesunde ‎Körper befällt und  ein Defekt makellose ‎Fahrzeuge zum stehen bringt, stellt die Störung ‎des Gleichgewichts der Umwelt das System der ‎Welt auf den Kopf. Je mehr wir unsere Umwelt ‎beschützen, umso mehr schützen wir das ‎Gleichgewicht der Welt. Sonst kommt das ‎Gleichgewicht durcheinander. In einer Welt, ‎deren Gleichgewicht gestört ist, kann keiner von ‎uns in Wohl und Sicherheit leben.‎

Ich beende meine Freitagspredigt mit warnenden ‎Worten unseres geliebten Propheten (s), die uns ‎an unsere gemeinsame Verantwortung erinnern:‎

“Menschen, die sich an die von Allah ‎festgelegten Verbote richten und Menschen, die ‎sich nicht an die Verbote halten, ähneln einer ‎Gemeinschaft, die ein Los beim Betreten eines ‎Schiffes ziehen. Demgemäß waren manche im ‎Oberdeck und andere im Unterdeck. Im ‎Unterdeck befindliche Personen stiegen auf das ‎Oberdeck, wenn sie Wasser brauchten. Die ‎Personen im Unterdeck sagten sich:“Lasst uns doch in unserem Bereich ein ‎Wasserloch öffnen, damit wir somit die ‎Personen im Oberdeck nicht stören.”‎ Wenn die Personen im Oberdeck die Personen ‎im Unterdeck gewähren lassen, werden sie alle ‎zusammen untergehen. Wenn sie dieses ‎verhindern, werden sowohl sie selbst als auch ‎die anderen gerettet.”5

 

Mehmet Özkılınç
Religionsbeauftragter, Neumarkt DITIB ‎Moschee

 

1 Koran, Hud, 61‎      
2 Koran, al-Baqara, 2/205‎‎                        
3 al-Muslim, Mesadschid 58‎                 
4 Koran, ar-Rahmân, 55/7-8‎
5 al-Bukhari, Schirka 6‎

 


 

2018-10-12    


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